Buchtipp: Umgäng – Handbuch Transformative Gerechtigkeit
Buchtipp: Umgäng – Handbuch Transformative Gerechtigkeit

Buchtipp: Umgäng – Handbuch Transformative Gerechtigkeit

Was für ein Buch! Über fünfzig Beiträge, die aus allen Winkeln linker Theorie und Praxis (im weitesten Sinn) beleuchten, warum ein anderer Umgang mit schmerzhaften Geschehnissen – Gewalt – wichtig ist und wie er aussehen kann, getreu nach dem Motto der Circles of Support and Accountability der Methodist:innen: »Keine weiteren Opfer. Niemand ist verzichtbar.«

Es geht um den Umgang mit Trauma, somatisches Erleben und Atemarbeit genauso wie um die Erfahrungen mit Gerechtigkeitspraxen der Revolutionär:innen in Chiapas oder Kurdistan. Opfer-Täter Dichotomien werden behutsam in Frage gestellt, die Schuld-Strafe-Ideologie auf ihre christlichen Wurzeln bezogen und kritisch hinterfragt, Sicherheits-Paradigmen aus neurodiverser Sichtweise untersucht. Dazwischen Erfahrungsberichte von Mediator:innen und Begleiter:innen in transformativen Prozessen und ein bisschen abolitionistische Geschichte. Und das sind nur einige Aspekte, die in diesem umfangreichen Sammelband enthalten sind. Viel Stoff für weiteres Nachdenken, gemeinsame Diskussionen und eine wunderbare Grundlage, die eigene Praxis auf einen Prüfstand zu stellen.

Besonders gefreut hat mich, festzustellen, dass ich vieles, was ich mir selbst als Praxis erarbeitet und zusammengestückelt hatte aus linker Theorie, Restorativen Praktiken, eigener Therapieerfahrung und vielen Fortbildungen, so oder so ähnlich wiederfand – was ja eine Bestätigung ist – und das tut gut, wenn man immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist, und aus intellektueller Redlichkeit heraus auch immer wieder an sich selber zweifelt.

Schade finde ich nicht nur, dass die Erstellung des Buches komplett an mir vorbeigegangen ist und ich von seinem Erscheinen eher zufällig erfahren habe, sondern auch die Missrepräsentation bis Auslassung von Restorative Justice (immerhin der großen Schwester von Transformative Justice in gewisser Hinsicht), als wäre da nie etwas gewesen. Doch wir sind jetzt endlich in Kontakt und können das korrigieren. 🙂

Wir leben in Zeiten, in denen der Aufbau und Erhalt robuster und resilienter Gemeinschaften immer wichtiger wird, und dazu gehört ganz essenziell ein Umgang mit Konflikten, Verletzungen und Gewalt, der heilt und stärkt anstatt zu spalten und zu schwächen, der selbstorganisiert und empowernd ist. anstatt die immer repressiver werdenden und immer schlechter funktionierenden Institutionen des Staates anzurufen. Dafür kann dieser Sammelband jede Menge Anregungen geben.

Insgesamt ein inspirierendes, vielseitiges, tiefgründiges und lehrreiches Buch, dessen Lektüre ich allen unbedingt ans Herz legen möchte.

Coverbild von Handbuch Transformative Gerechtigkeit. Selbstorganisierte Umgänge mit Konflikten und zwischenmenschlicher Gewalt. Blauer Hintergrund und weiße Schrift.

UmGäng: Handbuch Transformative Gerechtigkeit. Unrast, Münster 2026 (beim Verlag oder in einer Buchhandlung bestellen bitte, nicht bei diesen TechBros!)

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