Eine neue Internationale?
Eine neue Internationale?

Eine neue Internationale?

Ich muss wahrscheinlich niemandem, der:die auf meiner Seite vorbeikommt, erklären, dass es so nicht weitergehen kann, dass ein Ende dieser herrschenden Zustände unbedingt nötig ist, um sich irgendeine Form von Zukunft überhaupt noch vorstellen zu können. Allein, wie sollte das gehen, wo sollte etwas anderes herkommen, wer könnte das machen? Die in vielen Menschen vorhandene Sehnsucht nach einem friedlichen und freundlichen Zusammenleben auf diesem Planeten findet keinen Ort, wo sie sich ausdrücken, keine Perspektive, in die sie sich übersetzen ließe. Und dann stieß ich auf das hier:

https://thepeopleswant.org/en/manifesto (noch nicht auf deutsch erhältlich, aber auf FR, EN, ES und Arabisch)

Es ist ein Manifest, geschrieben von exilierten Revolutionär:innen aus den Kämpfen der letzten 15 Jahre in etwa. Eine Internationale der Marginalisierten, die versucht die Aufstände des ersten Quartals dieses Jahrhunderts zu analysieren und Lehren daraus zu ziehen. Ein wirklich interessantes, und auch poetisches, Stück politischer Literatur und ein Richtungsgeber in einer Situation, in der keiner mehr weiß wohin, von Leuten, die das schlimmste (Krieg, Vertreibung, Verfolgung, Inhaftierung, Folter, Ermordung Nahestehender, Flucht) bereits erlebt haben. Ich hab’s noch nicht durch, aber ich würd’s gerne mal mit anderen diskutieren die Tage. Vielleicht übersetzt es ja auch noch wer auf deutsch.

Ich hab mich auch deswegen so darüber gefreut, weil es einen Faden wieder aufnimmt, an dem auch ich versucht habe mitzuspinnen, nämlich den der Aufstände in Iran, Kurdistan und der arabischen Welt. »Das Volk will den Fall des Regimes«, war damals die Parole der Arabelions, und der Name des Kollektivs »The Peoples Want« ist eine Würdigung dieser Parole. Es tut auch deswegen gut, weil ich mit Erbitterung damals feststellen musste, dass all die, die ganz besonders laut und bei jeder sich bietenden Gelegenheit »Free Gaza« riefen (und wieder rufen), bei der Unterstüzung dieser Aufstaände von 2009-2015 nirgends zu sehen waren. Kein Kollektiv „Queers for Kurdistan“, keine „Artists for Iran“, keine „Boycott Turkey“ Kampagnen und keine „Free Egypt“ Graffitis. In diesem Manifest finden all diese Aufstände eine Würdigung und sind Teil einer größeren Erzählung von Befreiung, die über diese ganzen Partiularismen hinausweist und dabei sich auch klar politisch zu Feminismus und queeren Rechten bekennt.

Vielleicht ist es erstmal nur politische Lyrik. Aber was tut es gut in solchen Zeiten sowas zu lesen und zu wissen, dass es Leute gibt, die das geschrieben haben. Man fühlt sich weniger allein.

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