Long Covid

Informationen zu Langzeitauswirkungen einer COVID-19 Infektion

Im März 2020, in der ersten Welle, habe ich mich mit dem Coronavirus infiziert. Seitdem kämpfe ich mit den Aufs und Abs von «Long Covid».

Nach wie vor wissen nur wenige um die Problematik der Langzeitfolgen einer Infektion, oft werden die Symptome nicht ernst genommen, als Psychosomatik abgetan und ähnliches. Long Covid ist aber eine äußert schwerwiegende Erkrankung mit vielfältigen Symptomen, die das Leben der erkrankten Person völlig auf den Kopf stellen können.

Ich stelle hier ein paar Informationen zur Verfügung. Die Forschung ist erst am Anfang und wöchentlich erscheinen neue Erkenntnisse über die Ursachen und Wirkungsketten.

Was ist Long Covid?

Unter Long Covid versteht man Symptome, die nach einer COVID-19 Erkrankung auftreten. Sie treten in etwa zwischen 3 Wochen bis mehrere Monate nach einer Infektion auf, unabhängig vom Krankheitsverlauf: ob asymptomatisch, leicht, mild, schwer – der aktue Krankheitsverlauf sagt nichts darüber aus, ob man Long Covid entwickeln wird.

Eine*r von sechs Covid-Infizierten entwickelt Long Covid!

Zu den Symptomen zählen:
– Muskelschmerzen
– Herzrasen, Herzklopfen und Herzrythmusstörungen
– Atemnot
– permanente extreme Erschöpfung (chronic fatigue, man ist nicht einfach nur müde, man ist permanent fix und fertig!)
– Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
– Schwindel und Übelkeit
– Geruchs- und Geschmacksverlust
– Konzentrationsstörungen und «Brainfog»
– Nierenschmerzen
– Verdauungsprobleme
– diverse Nervenschmerzen und andere neurologische Probleme
– weitere Organschäden
– Diabetes
– Depressionen
– …

Manche Menschen werden nach und nach wieder gesund (das kann Jahre dauern), bei anderen verchronifiziert sich die Krankheit zu dem schwerwiegenden ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome, auch postvirales Erschöpfungssyndrom genannt). Das ist eine systemische Erkrankung mit Fehlregulationen unter anderem des Nervensystems, des Immunsystems und des Hormonsystems. Es gibt auch zwei weitere Chronifizierungen, das Mastzellen-Aktivierungssyndrom (MCAS), das sich vor Allem als Histaminunverträglichkeit zeigt und duzende Beschwerden auf allen Ebene auslöst, und das Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome (POTS), eine Erkrankung des Herzens und der Blutgefäße, das durch eine Störung im Autonomen Nervensystem ausgelöst wird.

Was passiert da?

Es ist noch nicht geklärt, was die Ursache für diese Symptome ist, mittlerweile gibt es aber einige Hinweise: Das Coronavirus greift offenbar den ganzen Körper an, man findet es in allen Organen, im Blut, im Gehirn, im Darm, in den Nervenzellen – überall (es ist KEIN Schnupfen, sondern eine multiple Systemkrankheit). Dort ist es bei manchen Menschen auch Monate nach der Erkrankung noch nachweisbar. Es ist unklar, was das bedeutet, aber es scheint dort irgendwie sein Unwesen zu treiben. Es ist zwar bekämpft und kann nicht mehr reproduzieren (man ist nicht mehr akut krank), aber Virusreste oder inaktivierten Viren scheinen an all diesen Orten Probleme zu machen. Es gibt Hinweise darauf, dass es im Darm „überwintert“ und dort Schaden anrichtet, der sich auf den ganzen Körper auswirkt. Außerdem scheint es besonders das Autonome Nervensystem zu schädigen, was diverse Syndrome der Dysautonomie (wie z.B. POTS ) auslöst.
Darüber hinaus scheint das Spike-Protein des Virus im Blut Mikrogerinsel (micro clots) hervorzurufen, und das macht auch Probleme mit den Impfstoffen, da diese mit dem Nachbau des Spike-Proteins arbeiten (manche Menschen haben von der Impfung Long Covid bekommen). Dass es eine Thromboseproblematik gibt, ist ja bekannt, aber die Micro Clots sind noch eine Nummer perfider. Sie behindern sozusagen sämtliche Organe und bestimmte Abläufe im Blut (Gasaustausch zB) und sind vielleicht verantwortlich für die Erschöpfung.

Was auch immer da passiert: man weiß es zwar noch nicht genau, aber das lässt alles nix Gutes vermuten. Corona und Long Covid sind nicht harmlos. Ich finde das Virus eher hochgradig unheimlich.

Risikogruppen

Es ist noch nicht klar, wer warum LongCovid bekommt, aber es gibt ein paar Anhaltspunkte aus einer Umfrage unter Long Covid Patient*innen.

Long Covid trifft (Reihenfolge der Häufigkeit)

  • Frauen mehr als Männer (ca 75% zu 25%)
  • besonders Menschen zwischen 30 und 50 Jahren alt
  • Menschen mit einem aktivem Lebensstil (Sport, Training, Karriere…)
  • Menschen mit Überempfindlichkeiten (Atopien) wie Pollen- oder Tierhaarallergien, Asthma oder Hautausschlag (10 fach erhöhtes LC Risiko)
  • Menschen mit Entzündungskrankheiten wie z.B. Fibromyalgie, Darmentzündung etc

Je mehr diese Eigenschaften man auf sich vereint, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Long Covid zu bekommen.

Das heißt nicht, dass die anderen fein raus sind. Dies sind nur besondere Risikofaktoren.

Prävention

Vorweg: eine Impfung schützt NICHT vor Long Covid, sie mindert aber das Risiko LC zu entwickeln (von 1/6 auf 1/10). Bei manchen kann die Impfung Long Covid ähnliche Probleme auslösen (wie z.B. Mikrogerinsel und POTS). Es ist jedoch viel wahrscheinlicher, Long Covid von einer Infektion als von einer Impfung zu bekommen.

Regel Nummer eins zur Verhinderungs von Long Covid ist: AUSKURIEREN und AUSRUHEN! Und zwar sehr. Wenn man sich nach einer Erkrankung wieder fit fühlt, lieber noch eine Woche warten, bevor man Aktivitäten wieder aufnimmt. Nicht sofort wieder Sport machen. Lieber noch einmal 4 Wochen eine ruhige Kugel schieben. Und auch in den darauffolgenden Monaten niemals über Leistungsgrenzen gehen, gut auf den Körper hören, wenn es zu viel ist, sofort aufhören und ausruhen. Bei vielen Menschen (bei mir auch) wurde Long Covid Wochen nach einer scheinbar ausgeheilten Coronainfektion durch körperliche (oder psychische) Belastung getriggert.
Das steht in krassem Gegensatz zu der derzeitigen Parole, auch bei symptomloser Infektion wieder arbeiten zu sollen. Mach das auf keinen Fall! Lass dich krankschreiben und ruhe dich aus. Wenn das nicht geht, schau, wie du dir eine Situation organisieren kannst, wo du dich ausruhen kannst, bitte um Hilfe, hol dir Unterstützung. Lieber 3 Monate auf Sparflamme fahren als mit multiplen systemischen Problemen dauerhaft flachliegen.

Da Long Covid nach wie vor von vielen nicht ernstgenommen wird und auch unter Ärzt*innen noch kaum bekannt ist, gibt es keine empfohlenen Medikamentierungsstrategien, aber Betroffene und andere haben experimentiert und es gibt einige erste Studien. Folgende Medikamentierungen beziehen sich auf den Zeitpunkt der Infektion, mit dem Ziel, vorbeugend gegen LongCovid einzugreifen. Sie können aber auch bei der Behandlung von bereits vorhandenem Long Covid helfen. (Dies ist kein Aufruf zum Experimentieren, hol Dir fachlichen Rat bevor Du Wirkstoffe einnimmst.)

Aspirin kann möglicherweise die Mikrogerinselbildung verhindern, daher kann es sinnvoll sein, niedrig dosiert Apsirin zu nehmen. (Mikrogerinsel im Blut sind vielleicht eine der Ursachen hinter Long Covid Symptomen).

Vitambin B3/Niazin/Nikotinsäure in niedriger Dosierung wirkt auf die Störungen im Stoffwechsel und kann sie verhindern/beheben.

Allergiker*innen sollten sich die Einnahme von Antihistaminika überlegen, um eine übertriebene Immunantwort, die dann Entzündungen im Körper auslösen kann, zu stoppen.

Behandlung

Behandlungsstrategien stehen am Anfang, aber da es zahlreiche Verbindungen zu bereits bekannten Syndromen gibt (ME/CFS, POTS, MCAS…) gibt es auch Ansätze.

Behandlungsstrategien gegen das Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) scheinen auch bei Long Covid zu funktionieren, mglw. wirkt Covid auf die Mastzellen ein und löst somit MCAS oder etwas Vergleichbares aus. Zu den Maßnahmen gehören neben Antihistaminika die Vermeidung von histaminreicher Nahrung, die Einnahme von Magnesium und Vitamin C, sowie Quercitin, Niacin, Vitamin D, Zink und Selenium.

Atemübungen: Da sowohl Lunge als auch Herz, Blutkreislauf und das Blut selbst, aber auch das Nervensystem bei Long Covid von Schädigungen und Veränderungen betroffen sind und Probleme machen, haben sich Atemübungen als sehr hilfreich erwiesen. Der Atem wirkt sich direkt auf die genannten Organe aus. Dabei geht es vor Allem darum, die Symptome zu mildern und den gesamten Zustand des Körpers zu verbessern. Es gibt verschiedene Atemübungen, kombiniert mit Meditation oder ohne, persönlich hilft mir die Wim-Hoff-Methode (Kombination Atem-Kälte-Fokussierung), andere Betroffene berichten Ähnliches.

TCM: Die Traditionelle Chinesische Medizin mit Akkupunktur, Kräuterheilkunde und Fußreflexzonentherapie hat auch zu Covid und Long Covid etwas zu sagen. Sie betrachtet eher den Haushalt und Fluss von Energien und greift stärkend und regulierend ein. TCM Ärzt*innen sind in China von Beginn an in die Behandlung von COVID-Patient*innen eingebunden und haben dabei einige Erfolge erzielt, welche vom Chinesischen Staat anerkannt wurden, im Westen aber weitestgehend ignoriert werden, nach wie vor. Die SMS (Societas Medicinalis Sinensis, deutsche Gesellschaft für chinesische Medizin) hat bereits zu Beginn der Pandemie 2020 Behandlunsprotokolle aus dem Chinesischen übersetzt, mittlerweile gibt es weitere Erkenntnisse, auch zu LongCovid. sie sind auf deren Homepage zugänglich. Mir hat die chinesische Kräuterheilkunde extrem geholfen, ich war im Herbst diesen Jahres wieder 90% fit, bis die Impfung alles zunichte gemacht hat. Ein zentraler Pfeiler der TCM ist die Ernährung und die Stärkung der Mitte (diese spielt auch in LC Behandlungen eine Rolle). Es gibt für Laien hierzu ein sehr gutes Buch.

Pilotprojekt zur Behandlung von Covid-Resten im Darm: Hier gibt es ein Pilotprojekt, mit ätherischen Ölen und Probiotika eventuelle Covid-Reste aus dem Darm zu entfernen und die Darmschleimhaut zu stärken. Die Annahme ist, dass wenn, wie einige Hinweise in Studien nahelegen, Virusreste im Darm Probleme machen und Long Covid auslösen, man möglicherweise auf diese Art dem Problem auf die Pelle rücken kann. Es sind Plätze zur Teilnahme frei.

Noch ein Wort zu Impfung: Die Impfung kann sich gar nicht, positiv oder negativ auf Long Covid auswirken. Die meisten Betroffenen (ca 50%) merken keinen Unterschied, einem Viertel scheint es nach der Impfung besser zu gehen, einem Viertel aber auch signifikant schlechter. Bei mir haben beide Dosen der Impfung die Long Covid Symptome, die bereits fast ausgeheilt waren, erheblich verschlechtert und neue hinzugefügt. Als LongCovid Patient*in ist man jedoch in der Hochrisikogruppe der Vorerkrankten was eine erneute Infektion betrifft, insofern ist die Impfung vielleicht trotzdem das geringere Übel. Da sie aber LC nicht unbedingt verhindert, sollte man auch als geimpfte*e LC-Betroffene*r versuchen, eine erneute Infektion mit allen Mitteln zu vermeiden.

Wer Hintergrund-infos zu diesen Angaben sucht: der englische (Ex-)Marathonläufer; Filmemacher und Long Covid Patient Gez Medinger sammelt in seinem Youtube Kanal alle möglichen neuesten Erkenntnisse und führt Interviews mit Wissenschaftler*innen, Mediziner*innen und anderen Expert*innen, viele davon selbst LC-Betroffene, um stets die aktuellsten Erkenntnisse und Erfahrungen für ein breites Publikum zugänglich zu machen (auf englisch). Sämtliche wissenschaftlichen Quellen sind dort verlinkt (wer also den Hintergrund zu meinen Behauptungen hier sucht, findet dort in der Beschreibung zum jeweiligen Film alle Links, mir war es zu viel, das alles rauszusuchen).
Ansonsten sind LongCovid-Betroffenen-Gruppen eine gute Quelle für weiterführende Informationen oder Anleitungen zur Selbsthilfe.

Dies ist mein Wissens- und Erfahrungsstand im Januar 2022. Wenn es wichtige Neuerungen gibt, werde ich sie hier einpflegen. LC ist aber nicht mein Fachgebiet und ich hoffe, dass ich mich nicht dauerhaft damit befassen muss. Ich teile hier diese Informationen, um andere zu warnen und aufzuklären und Betroffenen Möglichkeiten zum Verständnis und zur Verbesserung ihrer Lage aufzuzeigen.